Trotz COVID-19 gute Zahlungsmoral bei LEND

Trotz COVID-19 gute Zahlungsmoral bei LEND

Trotz COVID-19 gute Zahlungsmoral bei LEND

Wir wurden in der Vergangenheit oft gefragt, wie sich unser Kreditportfolio unter Stress entwickelt. Die Antwort war stets theoretisch: “Unser Modell arbeitet mit konservativen Annahmen und unsere Kreditvergabepolitik ist restriktiv. Qualität muss Wachstum vorgehen. Wir sind deshalb überzeugt, dass unser Kreditportfolio eine hohe Qualität aufweist.”

The good news

Mit COVID-19 wird unsere theoretische Antwort nun durch einen echten Stresstest auf die Probe gestellt. Die gute Nachricht vorweg: Das Kreditportfolio ist stabil und unser Risikomodell scheint unter Stress erwartungsgemäss zu funktionieren.

Das Caveat

Der Sturm ist noch nicht vorbei. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie werden erst noch richtig spürbar, der Stress wird zunehmen. Aktienindizes sind teilweise 30% eingebrochen, Kreditmärkte werden nicht komplett verschont bleiben.

Was wissen wir heute?

LEND stellt jedem Kreditnehmer 10 Tage vor Fälligkeit eine Rechnung für seine Ratenzahlung zu, die typischerweise am ersten eines Kalendermonats fällig wird. Eine erste Analyse der Auswirkungen von COVID-19 auf die Zahlungsmoral unserer Kreditnehmer war deshalb erst jetzt möglich.

Wir beobachten keine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens

Über alle Risikoklassen hinweg hat der Grossteil der Kreditnehmer die fällige Rate pünktlich bezahlt. Die verspäteten Zahler sind “usual suspects” und uns seit längerem bekannt.

Unser Ratingmodell funktioniert auch in der Corona-Krise

Wie bisher beobachten wir eine Korrelation zwischen Risikoklasse und Pünktlichkeit der Zahlungen.

  • A+ Kredite sind weiterhin sehr stabil. Per Stichtag 8. April haben von insgesamt 328 Kreditnehmern 326 oder 99.3% ihre Rate bezahlt. Bei lediglich 2 Kreditnehmern fehlt die Zahlung. Diese 2 Kreditnehmer sind uns bekannt, denn sie haben auch in der Vergangenheit jeweils mit ein paar Tagen Verzögerung ihre Raten beglichen. Auf unsere Nachfrage werden sie dies wieder tun. Wir rechnen damit, dass bis Mitte April wieder 100% der A+ Risikoklasse à jour sind. Damit ist der April sogar noch besser als viele Vormonate. Im Februar waren es beispielsweise 9 Kreditnehmer, die ihre Rate zu spät überwiesen hatten.

  • D1 Kredite sind weniger stabil, da diese typischerweise weniger stabile Lebensverhältnisse haben. Entsprechend höher ist der Anteil verspäteter Zahlungen. Per Stichtag 8. April haben von insgesamt 237 Kreditnehmern 49/237 oder 20.6% ihre Rate noch nicht bezahlt. Dies ist jedoch kein Grund zur Besorgnis, da sich der Wert kaum von den Vormonaten unterscheidet. Ein Zahlungsverzug bedeutet noch keinen Zahlungsausfall. Anleger brauchen einfach etwas mehr Geduld. D1 Kreditnehmer lassen sich manchmal bis zu 30 Tage oder mehr Zeit (nach 45 Tagen betreibt LEND in der Regel die fällige Rate), die Ratenzahlungen zu tätigen. Das Risiko ist erhöht, weshalb Anleger aber auch mit einem hohen Jahreszins von durchschnittlich 6.5% entschädigt werden.

Zahlungsverhalten April und Februar 2020 im Vergleich

Zahlungsverhalten April 2020 nach Risikoklassen und Verspätung:

 

Zahlungsverhalten April 2020 nach Risikoklassen und Verspätung:

 

 

Zahlungsverhalten Februar 2020 nach Risikoklassen und Verspätung:

 

Zahlungsverhalten Februar 2020 nach Risikoklassen und Verspätung:

 

 

Was erwarten wir?

Wir gehen davon aus, dass der Wind noch kälter und stärker wird. Wir haben deshalb unsere Kreditprüfung seit März 2020 noch verschärft (wir hatten im letzten COVID-19 Update darüber berichtet).

Wir spezialisieren uns zunehmend auf die Refinanzierung von Toprisiken (mit einem Score A+ oder A Segment). Kreditnehmer müssen in der Regel nachweisen, dass sie ihren existierenden Kreditverpflichtungen regelmässig und pünktlich nachgekommen sind. Solange die Kreditnehmer im Angestelltenverhältnis sind, ändert sich trotz COVID-19 an ihrer finanziellen Situation nichts grundlegend. Die Kreditraten sollten sie deshalb weiterhin begleichen können. Sollten Kreditnehmer aufgrund einer Restrukturierung ihre Stelle verlieren, übernimmt unser Partner Helvetia Versicherungen die Ratenzahlungen, sofern der Kreditnehmer eine Ratenausfallversicherung abgeschlossen hat. Momentan ist dies bei rund 60% der Kreditnehmer der Fall.

Und KMU Kredite?

Per Stichtag 8. April 2020 haben von insgesamt 96 KMU-Krediten 88 oder 91.7% ihre Rate bereits bezahlt, bei nur 8 ist die Zahlung noch ausstehend. In Anbetracht der Umstände erachten wir dies als einen hervorragenden Wert.

Es ist klar, dass KMU von COVID-19 stärker betroffen sind als Privatpersonen. Wir hatten diverse Anfragen bestehender KMU Kunden, eine Stundung der Ratenzahlungen zu gewähren. Unser Vorgehen war bisher, diese bei der Beschaffung eines Notkredits des Bundes zu unterstützen und weiterhin die Bedienung des LEND Kredits zu verlangen. In fast allen Fällen haben dies die KMU Kunden geschätzt und so umgesetzt. Natürlich hat dies zu Verzögerungen geführt und es sind noch nicht alle Zahlungen eingetroffen.

In wenigen Einzelfällen führen wir noch Gespräche. In Härtefällen ist eine Stundung ein gutes Mittel, den Ausfall des Kredits zu verhindern und dem KMU die Zeit zu geben, wieder auf die Beine zu kommen. Im Rahmen einer Stundung beabsichtigen wir aber, einzig die Amortisation auszusetzen und weiterhin die Bezahlung des Zinses zu verlangen. Die KMU sind mit diesem Vorschlag einverstanden und legen grossen Wert darauf, dass ihren finanziellen Verpflichtungen aus dem Vertrag langfristig nachkommen können.

Bis auf Weiteres schalten wir nur noch KMU Projekte auf, welche begrenzt von COVID-19 betroffen sind und auch in einem weiterhin schwierigen Umfeld über genügend freie Mittel verfügen, um den Kreditverpflichtungen fristgerecht nachzukommen. Unverändert finanzieren wir keine ungesicherten Kredite - eine Solidarbürgschaft des Unternehmers oder ein Schuldbrief sind Pflicht.

Im Vergleich mit Bonds sind LEND-Kredite noch immer sehr gut

Professionelle Fixed Income Investoren vergleichen laufend Anlagemöglichkeiten bei LEND mit solchen auf dem Kapitalmarkt. Während Titel wie MSC Cruises gebeutelt wurden (-40% im Preis), erfuhren die Anleihen von Cembra nur einen leichten Preisverfall und handeln derzeit mit einer Verfallrendite von 0.8% (2026 Verfall) immer noch sehr teuer. Neue CHF Emissionen brachten ebenfalls noch nicht die lange erhoffte Entspannung am Bondmarkt. Coupons von 0.55% p.a. (Sonova Holding) werden weiterhin als attraktiv angesehen.

Verständlich also, dass unsere Anleger nach einer kurzen Verschnaufpause wieder vermehrt “abräumen”, die Volumen sind nur leicht tiefer als in den zwei Vormonaten.

Weitere Updates folgen. Keep investing und bleiben Sie gesund.

Florian Kübler
Founder

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