FinTech-Studie 2021 – Schweizer Standorte weiterhin auf Spitzenpositionen

FinTech-Studie 2021 – Schweizer Standorte weiterhin auf Spitzenpositionen

IFZ FinTech Studie 2021

Jedes Jahr veröffentlicht das Institut für Finanzdienstleistungen (IFZ) der Hochschule Luzern eine Studie zur jüngsten Entwicklung des FinTech-Standorts Schweiz. Der ist in den letzten Jahren vom Nischenmarkt zu einer einflussreichen Branche herangewachsen, die der Finanzindustrie innovative Lösungen bietet. Die folgenden Ergebnisse der aktuellen IFZ-Studie zeigen, inwieweit sich dieser positive Trend in Zeiten der Pandemie fortgesetzt hat.

Wachstum ähnlich wie im Vorjahr

Die Zahl der Schweizer FinTech-Unternehmen ist zum fünften Mal in Folge gestiegen. Bis Ende 2020 wurden 405 Unternehmen gezählt. Das sind 23 mehr als Ende 2019, was einem Wachstum von sechs Prozent entspricht. Zum Vergleich: 2018 waren es nach einem Schub an Unternehmensgründungen satte 62 Prozent, 2019 dann sieben. In den letzten beiden Jahren blieb die Wachstumsrate also in etwa gleich. Am stärksten war der Zuwachs im Bereich Prozessdigitalisierung, Automatisierung und Robotik.

Number of FinTech Companies
Quelle: IFZ FinTech-Study 2021

 

Das langsamere Wachstum zeigt sich ausserdem darin, dass das durchschnittliche Investitionsvolumen in Schweizer FinTechs 2020 etwas geringer ausfiel als im Vorjahr und die Zahl der Beschäftigten im Schnitt gleichblieb. Bei letzteren ist eine deutliche Internationalisierung zu beobachten: Immer mehr Mitarbeiter der Schweizer FinTechs sind im Ausland stationiert. 2020 machte diese Gruppe bereits über ein Drittel der Beschäftigten aus.

 

Ranking: Schweizer FinTech-Standorte weiterhin auf Spitzenpositionen

Das FinTech-Hub-Ranking der IFZ Studie bewertet Standorte weltweit hinsichtlich ihrer politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen, technologischen und sozialen Rahmenbedingungen für FinTechs. Das Ergebnis: Zürich und Genf stehen im internationalen Vergleich wie auch in den letzten Jahren auf top Positionen. Zürich konnte den zweiten Rang verteidigen, während Genf von Stockholm überholt wurde und somit von Platz 3 auf 4 abrutschte. Damit stehen die Schweizer Standorte weiterhin vor Städten wie New York, London und San Francisco, die ihrerseits alle im Ranking aufstiegen.

FinTech Country Ranking
Quelle: IFZ FinTech-Study 2021

 

Im Bereich Technologie konnten sich Zürich und Genf verglichen mit dem Vorjahr noch verbessern. Hingegen wurde das wirtschaftliche und soziale Umfeld an den Schweizer Standorten im internationalen Vergleich nicht mehr ganz so gut bewertet wie im Vorjahr, andere Städte konnten aufholen. Diese Verluste bewegen sich natürlich auf hohem Niveau. Dennoch appellieren die Forscher an die Schweiz, die Entwicklungen auf dem eigenen FinTech-Sektor genau zu beobachten. Falls nötig, müssen die exzellenten Rahmenbedingungen für Innovation im Schweizer Finanzsektor mit geeigneten Massnahmen erhalten oder sogar gestärkt werden. Das ist nach Auffassung der Forscher nicht nur für den Bereich FinTech von grosser Bedeutung, sondern für den Schweizer Finanzsektor insgesamt.

Wie hat Covid-19 die Entwicklung beeinflusst?

Die Pandemie hatte einen deutlichen Effekt im Bereich mobiles Bezahlen. Die Zahl der Nutzer dieses Angebots hat sich während des ersten Lockdowns überproportional erhöht. Das führte nicht zu mehr Transaktionen, aber zu einer nachhaltigen Veränderung beim Zahlungsverhalten: Seither nutzen deutlich mehr Schweizer Peer-to-Peer Payments, anstatt zur Bankfiliale zu gehen. Gleichzeitig hat sich die Zusammenarbeit innerhalb der Banken rasch und stark verändert, hin zu mehr Digitalisierung und Homeoffice. Die im Rahmen der IFZ-Studie befragten Bankmitarbeiter gingen davon aus, dass sich dieser Trend auch nach der Pandemie fortsetzen wird.

Neben Mobile Payment wird auch allgemein immer mehr Mobile Banking genutzt. Dieser Trend ist laut den Forschern aber unabhängig von der Pandemie. Keine nennenswerte Wirkung hatte Covid-19 im Bereich elektronische Unterschrift und Identität. Deren Akzeptanz ist nur leicht angestiegen. Chat, Chatbots und digitale Assistenten von Banken stossen nach wie vor auf eher geringe Akzeptanz bei den Kunden.

Mehr Online-, aber vorerst noch kein Open Banking

Vorreiter für neue Geschäftsmodelle durch Digitalisierung sind Neobanken, die häufig ganz ohne Filiale auskommen. Ein Fünftel der vom IFZ Befragten nutzt solche Services bereits. Diese Nutzer sind im Schnitt jünger, überdurchschnittlich gut gebildet und haben ein höheres Einkommen als Nicht-Nutzer von Neobanken, werden also auch in Zukunft eine kapitalstarke Gruppe darstellen. Zudem würden 20 Prozent der Befragten heute alle Bankgeschäfte digital durchführen, wenn sie könnten. Für Alltagsbanking gehen nur noch wenige Kunden zur Filiale. Dank niedriger Kosten und einer angenehmen User-Experience sind Neobanken starke Konkurrenten für traditionelle Banken. Allerdings können letztere deren Vorteile kopieren.

Generell stehen sowohl Banken als auch Kunden dem Plattformgedanken positiv gegenüber. Wenig Bereitschaft zeigen die Schweizer Banken bisher für Open Banking oder Multibanking. Das würde es Kunden ermöglichen, ihre Konten, Karten, Kredite und Depots bei verschiedenen Banken auf einen Blick zu sehen. Bei Privatkunden wäre diese Entwicklung willkommen. Die Banken müssten dafür aber ihre Schnittstellen öffnen, hätten hohe Kosten und Aufwände und es gibt bisher – anders als in der EU – keine Standardisierung durch verbindliche Richtlinien.

Zusammenfassung der FinTech-Studie

Es lässt sich also festhalten: Swiss FinTech wächst weiter, wenn auch langsamer. Die Schweiz steht weiterhin auf Spitzenpositionen im internationalen Ranking. Damit das so bleibt, empfehlen die Forscher Nachbesserungen bei den Rahmenbedingungen für den FinTech-Markt, denn andere Standorte holen auf. COVID-19 hatte insgesamt wenige Auswirkungen auf den Finanzsektor, beschleunigte aber die Entwicklung hin zu mehr Mobile Payments und die Digitalisierung innerhalb traditioneller Banken. Unabhängig von der Pandemie ist klar: Immer mehr Menschen bevorzugen digitale Lösungen im Bereich Finanzen. Diesem langfristigen Trend entspricht auch LEND, indem wir Investoren und Kreditnehmer direkt und unkompliziert online zusammenbringen. Dadurch profitieren beide Seiten – Anleger von attraktiven Renditen und Kreditnehmer von niedrigen Zinsen.

Florian Kübler
Founder

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